Künstliche Intelligenz kontrolliert bald Smartphones

28.03.2018 13:02

(Bildquelle: © Seanbatty | pixabay.com)

Als Apple im vergangenen September das iPhone X vorstellte, war FaceID der große Aufreger. Während Apple selbst die neue Entsperrfunktion in den Himmel lobte, waren Experten und iPhone-Fans gleichermaßen skeptisch. Der praktische Fingerabdrucksensor musste hier einer doch irgendwie gruselig anmutenden dreidimensionalen Gesichtserkennung weichen. Und während die Technik an sich natürlich höchst faszienierend ist, bereitet sie tief im Innern doch ein gewisses Maß an Unbehagen. Neben diesem neuen Feature stellte Apple auch sein AI-gesteuertes Emoji-Feature vor, das, ebenfalls den 3D-Scanner nutzend, in Echtzeit ein animiertes Emoji aus dem Gesicht des Nutzers errechnet und darstellt. Ermöglicht werden diese Funktionen durch den sogenannten Neural Chip, einem AI-Prozessor. Und auch wenn die ersten Anwendungen erstmal mehr Spielereien darstellen, belegt das aber den schleichenden Prozess, bei welchem immer mehr Bereiche des Smartphones durch künstliche Intelligenz gesteuert werden. Also weg von fest vorprogrammierten hin zu "flexibleren" Prozessen. Dies kann in gänzlich unterschiedlichen Bereichen zum Tragen kommen - Von der Handysicherheit über die Regelung von Energieeffizienzeinstellungen bis hin zur Fotografie oder allgemeinen Bildverabeitungsmöglichkeiten.
 

Echtzeitanwendungen für die breite Masse


Bereits 2016 stellte eine Gruppe um Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg, dem Max-Planck-Institut für Informatik und der Stanford University ihre "Face2Face" genannte Anwendung vor, in dem über ein Motion Capure Verfahren in Echtzeit Videos manipuliert werden konnten. Im dazu veröffentlichten Video sieht man so unter anderem, wie die Kopfbewegungen und Mimiken eines Menschen ohne Zeitverlust auf eine Videoaufnahme des früheren US-Amerikanischen Präsidenten George W. Bush übertragen werden. Dies sogar so präzise und gut, dass an keiner Stelle auffällt, dass George Bush diese Bewegungen nicht selbst ausführt. Die Implikationen, die sich aus beiden genannten Beispielen ergeben, sind mindestens besorgniserregend. Immerhin leben wir bereits heute in einer Zeit, in welcher die Echtheit von Bildern immer mehr angezweifelt beziehungsweise grundlegend immer hinterfragt werden muss. Während solch massive Bild- und Videomanipulationen heutzutage eher noch von politisch motivierten Gruppen jeglicher Ausrichtung genutzt werden, um im eigenen Sinne Propaganda zu betreiben oder geziehlt Missinformation zu streuen, könnte diese Praktik auch immer mehr in den privaten Bereich vordringen.
 

AI übernimmt das Ruder


Dies ist natürlich ein sehr spezifisches, negativ assoziiertes Beispiel. Selbstverständlich ist nicht jede mit AI verbundene Technik im Telefon gleich derart besorgniserregend. Jedoch findet eine deutliche Verschiebung statt, welche der künstlichen Intelligenz immer mehr Kontrolle einräumt. Dies zuerst einmal innerhalb des Geräts selbst, wo Standardprozesse nun von AI übernommen werden. Beispielsweise wenn es um die optimale Nutzung der Arbeitsspeicherkapazität in Zusammenhang mit den aktuell geöffneten Apps geht. Erkennt die AI, dass ein rechenintensives Spiel mehr Grafikpower benötigt, können im Hintergrund laufende Anwendungen automatisch durch den Neural Chip gedrosselt werden.
 

Intuitivere Bedienung und 5G-Ausbau


Ein bereits jetzt wichtiges Einsatzfeld ist die Sprachsteuerung. Während alle großen Hersteller mit sprachgesteuerten Assistenzgeräten wie Echo, Google Home oder HomePod am Markt mitmischen, mit welchen Haushalte smarter funktionieren sollen, werden auch die Smartphone-Sprachassistenten immer besser und ermöglichen dem User eine immer umfänglichere Smartphonesteuerung per Sprache. War Apples Siri eigentlich nicht mehr als eine sprachgesteuerte Online-Suchmaschine, stellt Samsungs Bixby beispielsweise ein bereits viel umfassenderes Assistenzsystem dar. Das Ziel ist primär, dem Nutzer eine intuitivere Bedienung zu ermöglichem, welche von einer rein manuellen Steuerung weggeht. Dadurch wird sich mittelfristig aber auch die Form des Smartphones selbst verändern. Weg vom Klotz in der Hand, hin zu einer subtileren Form, die über kleine Zusätzgeräte wie Brillen, am Körper tragbare Sensoren oder sogar subkutane Module erweiterbar sind. Augmented Reality wird das Smartphone in seiner heute gängigen Form langsam in den Hintergrund drängen. Die erstmals rückläufigen Absatzzahlen von internetfähigen Handys könnten bereits ein Indiz für diese Entwicklung sein. Die Voraussetzungen für die Nutzbarkeit von Augmented Reality werden mit dem Ausbau der Funknetze auf den 5G-Standard gerade geschaffen. Wie genau sich unser Umgang mit der Technik letztlich gestaltet, bleibt abzuwarten.